Dorfmuseum Görzig

Anschrift/Kontakt:

Dorfmuseum Görzig
Görzig
Schulstraße 7
06369 Südliches Anhalt

Kontakt über MGH Görzig:

Ansprechpartner: Herr Bjoern Neiseke
Tel.: 034975/30291
E-Mail: mgh-goerzig(at)gmx.de

Leiter des Dorfmuseums:

Herr Axel Finsch

Öffnungszeiten:

nach Vereinbarung

Beschreibung:

Das Dorfmuseum Görzig befindet sich in den Räumlichkeiten der alten Schule von Görzig. Die Schule geht auf das Jahr 1579 zurück und ist damit die älteste Schule des Altkreises Köthen.

Der Ortschronist berichtet dazu...

Vom ersten Schulgebäude liegen im Landesarchiv Dessau zwei Skizzen vor.

1. Giebelansicht über der Wohnstube

Der Blick nach Osten, also an die Westseite des Gebäudes zeigt ein stabiles Erdgeschoss. Das obere Stockwerk ist durch eine Balkenkonstruktion dargestellt. Dessen Südseite bildete vom oberen Teil des Erdgeschoßes bis zum First das Dach. Auf der Nordseite beginnt das Dach erst nach dem Aufbau des ersten Stockes auf dem Erdgeschoß. Das  Dach war asymmetrisch.

2. Grundriß des Schulhauses

Es ist zu erkennen, dass das Haus die Lehrerwohnung mit „Fluhr, Küche, Kammer“ und größerer „Wohnstube“ sowie einen „Schulraum“ hatte. Das Erdgeschoß wies 9 Fenster auf. Schulraum und Lehrerwohnung waren von der Grundfläche her etwa gleich groß.

Es existieren keine Größenangaben. Bei einem Vergleich des Unterrichtsraumes mit dem der  jetzigen der alten Schule fällt auf, dass das Gebäude wesentlich kleiner gewesen sein muss.

Die Balkenkonstruktion der  Giebelansicht betrachtend, wird auch der folgende Text der Quelle verständlich: „Acta den Neubau eines Schulhause zu Görzig“ vom 10. Merz 1828: Nur die größte Besorgnis nöthigt mich nochmals Einem Herzogl. Anhaltischen Hochgewinlich. (?) Konsistorium vorzustellen: das das Schulhaus durch den steten Wechsel von Regen und Frost gelitten hat. Das Krakken und Poltern im Oberen ist stärker und häufiger, so dass ich bei starken Winden ein ähnliches Unglück, wie sich hier ereignete, befürchten muß."

Schon 1821 erfolgte eine Planung des Neubaus und eine Kostenrechnung über 1070 Thaler, 2 Groschen und 3 Kreuzer. Am 14. November 1831 war das neue Schulhaus fertig und kostete 1138 Thaler, 17 Groschen und 9 Kreuzer.

Das Inventarium der Schule Görzig von 1838 wies folgende Ausstattung aus:

"An Mobilien und Büchern
1.   8 Schultafeln, 9 Bänke, 1 Wandtafel
2.   1 Katheder
3.   1 Bücherschrank
4.   1 Kupferstich Fürst Wolfgang
5.   Dieters Schullehrerbibel
6.   Das Neue Testament
7.   Anweisung im Kopfrechnen und Tafelrechnen
8.   Übung im Kopfrechnen
9.   Ein kurzer Leitfaden zur Religionsgeschichte
10. Lindners Geographie von Anhalt
11. 8 einstimmige Choralbücher"

Aus der Schulchronik...

In Heft 1 der Görziger neuen Chroniken, "Die Schule in Görzig - Kaleidoskopisches zur Schulschließung der Sekundarschule in Görzig - 2004" von Axel Finsch, Lehrer an der Schule in Görzig ist zu lesen:

"Der Bericht über die Schule in Görzig

Görzig, revidirt den 7. März 1854

I Kl  27 Knaben   -  39 Mädchen       II Kl  28 Knaben   -  34 Mädchen

55 Knaben und 73 Mädchen              128 Schüler

Lesen. I Abtheilung las mechanisch fertig. Ton und Aussprache wurde nicht berücksichtigt. In der II Abtheilung lasen von 17 Knaben 9 und von 20 Mädchen 4 sehr stümperhaft. Unter diesen befanden sich freilich mehrere Kinder auswärtiger, in der Fabrik zu Glautzig arbeitenden Leute. Schreiben. Die Handschriften sind gut leserlich. Die Mehrzahl der Kinder der I Abtheilung 9 Knaben und 16 Mädchen setzten ziemlich schnell, aber wenig auf. Die Orthographi war gut. Die II Abtheilung, 17 Knaben , 23 Mädchen hatten Sprüche ziemlich orthographisch richtig aufgeschrieben. Eigene Aufsätze vermochten sie noch nicht aufzuschreiben. Die Bücher (     II Arten ) waren ziemlich reinlich. Materie praktisch, Correctur ziemlich gut, Quittungen etc. eingeübt. – Auf Interpunktion wurde wenig geachtet.

Rechnen. Die I Abtheilung rechnete leichte Preisexempel nach HAPPICH bis pag. 233            ( Anmerkung: von Pagina: ...Buchseite) ziemlich schnell, aber nicht sicher, beim Lehrer gut, bei mir ziemlich gut. Lobenswerth war es, das der Lehrer wenig Regeln gab und die Kinder die verschiedenen Wege finden ließ. Nur 1 Knabe zeichnete sich vortheilhaft aus, die II Abtheilung war bis pag. 107. HAPPICH. Geographi nach HAESTER’S Lesebuch. Das Allgemeine von Europa und Deutschland, so wie Anhalt und Umgebung war bekannt. Die meisten Kinder hatten den kleinen Atlas von BEUMER und besaßen einige Kartenkenntniß. Naturgeschichte. Der Lehrer nahm die Natur, geschichtlich nach WILMSEN und wusste das Vorgetragene praktisch und anschaulich zu machen. In der Naturlehre sprach er über das  Gewitter gut. – Singen. Es waren eine genügende Anzahl guter Volkslieder zweistimmig gut eingeübt und von den Kindern allein und sicher gesungen. Von Chorälen waren besonders die Morgenlieder nach KREUZ gut eingeübt.

Elementarklassen. Lesen. Die I Abtheilung 17 Knaben 22 Mädchen lasen ziemlich geläufig. Die II Abtheilung bei LESESCHÜLER pag. 50, nur ziemlich. Schreiben. Die I Abtheilung schrieb Sprüche ziemlich mangelhaft. Die II Abtheilung schrieb aus dem Buche ab. Im Rechnen leisteten sie nicht das Erforderliche, konnten noch nicht zweistellige Zahlen schreiben, auch nicht das Einmaleins, wussten nichts von Thaler und Groschentabelle. Hersagen des Gelernten war mechanisch, wurde mehrentheils im Chore und ohne Ausdruck gesprochen. In der biblischen Geschichte nahm er ELISA als Anschauungsunterricht nach den Geschichtsbildern von KAISERWERTH recht gut. Im Allgemeinen leistet diese Schule das Erforderliche und gehört zu den bessern, so wie der Lehrer unter den ältern einer der strebsamsten und intelligentesten ist.

(Aus Landeshauptarchiv Sachsen – Anhalt – 1913 )"

Der Unterrichtsraum in der Schule von 1831 misst ca. 7,70m X 5, 60m. Eine große Schulbank mit drei Tintenfässer war 2,20m lang, 80cm breit und für bis zu 6 Kinder geeignet. Die Vorderseite der hinteren Bank war gleichzeitig die Lehne der Bank davor. Nur die letzte Bank in der Reihe hatte eine Rückenlehne. Um 128 Kinder zu unterrichten, konnte das nur im „Mehrschichtsystem“ geschehen.

Auch in der DDR gab es Raum sparende Schulbänke. Eine Bank bot 2 Kindern Platz. Die Bänke einer jeden Bankreihe waren miteinander verschraubt. Still sitzende Schüler mussten es sein, denn die Bewegung eines Schülers aus der ersten Reihe übertrug sich bis zur letzten Bank. Der Schulraum der alten Schule war in dieser Zeit Raum 8, der Musikraum. Da bis in die 60er Jahre der Klassenteiler bei 42 Kindern lag, ist es auch für diese Zeit verwunderlich in welcher Enge die Klassen unterrichtet wurden. Zu beachten ist auch, dass der Unterrichtsraum mit einem großen Kachelofen geheizt wurde.

Mit dem Unterrichtsbeginn in der großen neuen Schule 1976, endete der Unterricht in diesen Räumlichkeiten.


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